Montag, 10. Dezember 2007

Spielbericht zu Real Madrid – Santander und Barça – Espanyol in einer portugiesischen Bar in Madrid

Madrid bietet viel: Kultur, Musik, Szene, das spanische Leben im Allgemeinen und natürlich Sport. Es ist immerhin eine der wenigen Städte die ich kenne, die drei Mannschaften in europäischen Wettbewerben vertreten hat: Real in der Champions League, Atletico und Getafe (ich wage mir, den Vorort mit dazu zu zählen) im UEFA Cup. Eigentlich wollte ich mir ja diesen Madrid Aufenthalt einen Ausflug zu Atletico gönnen und die rot-weißen Recken um Sergio Agüero gegen die schottischen Rotbuchen aus Aberdeen ansehen, aber leider bekam ich Fieber und konnte mir die 25 Euro sparen.
Einige Tage später ging es mir aber - pünktlich kurz vor meiner Heimreise - wieder besser und ich hatte die große Freude an meinem letzten Abend in Madrid, noch mal was Feines zu essen. Dafür ging es zum Portugiesen Nino Ferreira in Chamberí, einem wie ich finde ausgezeichneten Laden (Adresse kann bei mir gern nachgefragt werden). Dort wurde ich trotz 2-jähriger Abwesenheit und vollkommener Unkenntnisse der Muttersprache des Wirts mit Handschlag begrüßt und richtigerweise als Deutscher identifiziert. Bei Nino war es schon ordentlich voll, wie immer am Samstagabend um diese Zeit. Die Hälfte der mehrheitlich männlichen Barbesucher starrte unter reger verbaler Kommunikation auf den Fernseher der zu meiner persönlichen Freunde gerade Fußball übertrug. Es lief Real Madrid gegen Santander und Real führte zur Freude der Gäste 2:0.

Da kein Tisch frei war und Nino erst anfangen musste, irgendwie Platz zu schaffen (er versprach in 15 Minuten könnten wir sitzen), nutzte ich die Gelegenheit ein Bier zu bestellen und es denn anderen Spaniern gleichzutun. Was man sehen konnte war ein recht abgeklärtes Madrid, halbwegs erholt von der Pleite gegen Bremen. Raul hatte dann auch einen Freistoß in fast zentraler Position, vielleicht 20 Meter vom Tor entfernt. Er schoss und traf. 3:0, der Reporter im Fernsehen überschlug sich stimmlich vor Freude. Dabei war das Tor zu 50% Santanders Torwart anzukreiden der seine Mauer die Eckfahne decken ließ und dann vergeblich versuchte den halbhohen Ball, der noch nicht mal im Winkel war, sondern einfach an der Mauer vorbeischwebte, zu fangen. Na ja gut, was soll man machen. Nino bekundete sofort sein Missfallen. Er ist Atletico Fan und bezeugt dies eindrucksvoll durch einen Ring an seiner rechten Hand. Der überwiegenden Mehrheit der Besucher war dies egal und freute sich mehr oder weniger laut. Kurz danach feine Stafette von Santander, die Real Verteidiger laufen hinterher und 3:1. Und jetzt begriff ich warum meine Freundin Real so hasst. Der Kommentator im Fernsehen erfror fast stimmlich, ein weitaus ansehnlicherer Treffer und er bemerkte das, was eh jeder gesehen hatte; „Goal“. Ich hätte nicht gedacht, dass man so parteilich eine im ganzen Lande ausgestrahlte Partie kommentieren kann. Meine Freundin bemerkte das wäre hier typisch, die Barbesucher blieben still wie der Fernseher und Nino freute sich. Das Spiel endete 3:1 ohne mich wirklich weiter mitzureißen.

Wir bekamen Sitzplätze und ich konnte mich strategisch günstig Richtung Fernseher setzen. Als Nino mir mein zweites Bier und die ersten Tapas brachte, begann dann auch der Höhepunkt des Abends; die Übertragung von Espanyol gegen Barça. Die Real Fans hatten inzwischen den Laden verlassen und wurden von anderen Barbesuchern ersetzt, die weniger interessiert in die Ferne sahen. Der Kommentator im TV war Andrés Montes, ein in Spanien höchst umstrittener Mensch, da er - sagen wir mal - eher unorthodox seine Spiele begleitet. So wurde er während der WM in Deutschland berühmt, da er in den Spielen zu erklären begann, welche deutsche Delikatesse er gestern zum Abendbrot hatte und immer wieder „Salinas“ rief, den ehemaligen Nationalspieler Spaniens, der aber nur wenige Zentimeter neben ihm saß, da er sein Co-Kommentator war. Nun, ich kann nur soviel sagen, wenn der Mann spricht ist eine Bildstörung nicht so schlimm, der kommentiert jeden Pass im Mittelfeld als würde gleich das Elfmeterschießen beginnen.

Zurück zum Spiel: Barça begann stark und sehr druckvoll. Schon nach wenigen Minuten war es passiert; Messi nimmt an der Mittellinie den Ball, überspurtet 2 bis 3 Espanyol Spieler, geht in den Strafraum und dann dort bis zur Grundlinie und spielt quer durch die Zone den Ball auf Inesta, der ihn nur noch rein schieben braucht. Ich muss Andre wirklich Recht geben, Messi ist einfach Klasse, kein Wunder das Ronaldinho wieder nur auf der Bank saß. Den Rest der Halbzeit dominierte Barça das Stadtderby nach belieben, ohne aber Tore zu erzielen und man merkte die dachten da konnte nicht mehr viel passieren.

In der Halbzeit kam dann mein drittes Bier und Nino machte sich an den Videotext, um zu erforschen wie seine andere Lieblingsmannschaft spielte; Benfica. Leider haben sie 0:1 gegen Porto verloren und einige Bekannte des Barbesitzers konnten ihre Schadenfreude nicht verbergen; so sind sie die Madrilenen. Die 2. Hälfte brachte dann weiter überlegene aber langsam arrogante und ein bisschen müde wirkende Barça Kicker, die sich zunehmend dem Druck des Rivalen ausgesetzt sahen, darauf aber nicht so recht reagierten. Uns so passierte was passieren musste; das 1:1. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie es sich ereignete. Ich weiß nur Ronaldinho war seit einer Minute auf dem Feld. Barça musste jetzt noch mal aufwachen. Aber all ihre Bemühungen blieben vergeblich und Espanyol hatte durch eine taktisch clevere und kämpferisch gute Leistung einen Punkt gewonnen und ich hatte einen schönen Abend bei Nino Ferreira.

Daher mein Tipp, wenn ihr mal Samstag Abend in Madrid seit; in eine nette Bar setzen; Tapas essen und Fußball anschauen, was kann es schöneres geben…

1 Kommentar:

MAPI hat gesagt…

mSehr lecker das Essen in 'Nino' ( C/Eloy Gonzalo, Madrid). Mmmm