Dienstag, 1. Juli 2008

Fiesta in Vienna!

Finale! Eine kleine Abordnung aus dem Kreis der Freitagskicker hatte es – wie von mehrfach preisgekrönten Tippchampions nicht anders zu erwarten – wohl schon vorausgeahnt und den Trip nach Wien schon Monate im Voraus geplant. Schlikkes, Andy, Dirk und der erfolgsverwöhnte Stephan hatten sich bereits am Mittwoch auf den Weg nach Wien gemacht und so in den Tagen vor dem Finale genügend Zeit, Fanmeilen im Regen, diverse Wiener Clubs und Fanshops zu erkunden, dabei 1-2 Bier zu trinken und kuhfladengroße Wiener Schnitzel zu verspeißen.
Ich traf die Truppe exklusive des bereits abgereisten Andy dann gutgelaunt am frühen Nachmittag des Finaltags auf´m Campingplatz Kleehäufl. Zuvor hatte ich mich Sonntagmorgen zu noch nächtlicher Stunde an allen möglichen betrunkenen Nachtschwärmern vorbei in Leipzig in den Zug geschwungen, der mich über Prag in Österreichs Kapitale bringen sollte. Etwas unorganisiert in das Abenteuer gestattet, wurde ich nach der glücklichen Vereinigung auf dem Campingplatz dann erstmal mit Motor Schaden-Trikot, Kamera sowie Schlafgelegenheit ausgestattet und mit Speiß und Trank versorgt.
Irgendwann nahm unsere Abordnung das Abenteuer Finale dann auf sich und wurde bereits im Bus in die Innenstadt von einem humorigen Vertreter der deutschen Schlachtenbummler mit Sprüchen wie „Ein Pole ohne P ist einfach nur Olé“ eingestimmt. Überhaupt waren die Deutschen erwartungsgemäß klar in der Überzahl, insbesondere sämtliche Wiener Brunnen schienen sich der Beflaggung nach zu urteilen fest in deutscher Hand zu befinden. Die Atmosphäre rund um den Stephansdom war auch recht ausgelassen, deutsche und spanische Fans feierten gemeinsam sich selbst. Und das durchaus zu recht, denn erfreulicherweise war die Atmosphäre friedlich-entspannt und viele Fans hatten sich zum Finale witzige und kreative Designideen überlegt, um durch Kleidung+Körperbemalung ihre Verbundenheit mit der Mannschaft zu zeigen. Wobei auffällig war, dass sich die Österreicher auf die Seite der Spanier geschlagen hatten und nahezu geschlossen mit diesen sympathisierten. Nach ein paar gemeinsamen Bierchen und einer Stippvisite auf der Fanmeile, wo die Jungs das Spiel verfolgen wollten hieß es dann für mich „Auf zum Stadion“. Das Ernst-Happel-Stadion hat mir durchaus sehr gut gefallen, trotz Laufbahn ums Spielfeld ist man Dank steiler Ränge recht nah am Geschehen dran, ich hatte einen ordentlich Platz etwas oberhalb hinter einem der Tore. Bereits eine halbe Stunde vor dem Spiel war die Hütte voll, etwa 10000 Spanier sahen sich ca. 2,5 Mal so vielen deutschen Schlachtenbummlern gegenüber. In Punkto Support konnten die Spanier aber durchaus mithalten, ich fand die Stimmung insgesamt sehr gut, wenn auch nur ganz selten mal richtig frenetisch. Aber laut war´s auf alle Fälle. Zum Spiel muss man nicht viel sagen, hat ja jeder gesehen. Die beste Mannschaft des Turniers hat verdient gewonnen. Den Ball von Torres´ aus nächster Nähe ins Tor trudeln zu sehen war leider schon ein unvergesslicher Augenblick. Auffällig im Spielverlauf war bei den Deutschen ein Vakuum genau da, wo die Spanier am besten waren: im zentralen Mittelfeld. Auch wenn das Spiel insgesamt kein Weltklasseniveau hatte, war es schon beeindruckend, eine derartige Auswahl an Klassespielern kombinieren zu sehen: Xavi, Iniesta, Torres, Senna, Ramos und Silva waren in diesem Spiel mit das Beste, was ich jemals so auf Fußballplätzen habe rumlaufen sehen. Erschreckend und beeindruckend war die Leichtigkeit, mit der sie eine biedere, aber zumindest halbwegs kompakte deutsche Mannschaft zerlegt haben. Teilweise zum Zungeschnalzen, wären wir nicht der Gegner gewesen.
Die Pokalübergabe, Konfettiregen und Feuerwerk nach dem Spiel konnte ich dann doch genießen, die Spanier hatten es einfach verdient und das sah erfreulicherweise auch die Mehrheit der deutschen Fans im Stadion so.
Zurück in der Stadt haben wir dann noch gemütlich den ein oder anderen Absacker zu uns genommen und während wir vergeblich auf die große spanische Party gewartet haben hat Stephan nebenbei noch eine Schlägerei verhindert und Schlikkes wie immer lustige Sprüche an den Mann respektive die Frau gebracht.
Montagmorgen hieß es dann für uns als frische Vizeeuropameister Abschied von Wien zu nehmen und in Dirks „Wohnmobil“ ging es nach einer zünftigen kulinarischen Stärkung in Tschechien zurück ins heimatliche Dresden. War auf jeden Fall ein Erlebnis, die Fiesta in Vienna!

3 Kommentare:

schlikkes hat gesagt…

Schön zusammengefasst, Fiedel! Und wer das noch optisch untermalt haben möchte: http://fotos.schlikkes.de/main.php?g2_itemId=8888

Tommer hat gesagt…

Super, vielen Dank für den Bericht Andre. Müssen unvergessliche Momente gewesen sein. Ich habe durch unsere Innsbruck Quelle noch ein paar Bilder der Spanier vor dem Abflug nach Spanien. Die stelle ich bald online.

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank Fiedel! War auch für mich ein lustiger Ausflug. Schade war nur, dass die Spanier sich nicht zum Trikottausch überreden ließen. Selbst unser Angebot (gemeinsam mit Schilki) 2 deutsche für 3 spanische wurde überaschend abgelehnt. Unfassbar!!!