Überquert man von Düsseldorf kommend den Fluss in Richtung Westen und lässt Neuss am linken Rheinufer hinter sich, gelangt man nach wenigen Kilometern in eine gegenüber dem gigantischen Ruhr-Ballungsraum merkwürdig einödige Landschaft: Flaches Ackerland so weit das Auge reicht, hie und da mal ein Haus, ein paar Schrebergärten oder ein Dörfchen: Willkommen am Niederrhein! Noch ein paar Kilometer weiter und man erreicht die „Provinzhauptstadt“ Mönchengladbach, Heimat von immerhin 260.000 Einwohnern und des Fußballvereins Borussia VfL, der in den 1970er Jahren unbestritten zu den besten Fußballklubs Europas gehörte. 5 deutsche Meisterschaften, 1 DFB-Pokal, 2 UEFA-Cup-Siege sowie 1 Finalniederlage im Landesmeistercup und 2 im UEFA-Cup-Finale zwischen 1970 und 1980 zeugen von glänzenden Zeiten der "Fohlen".
Heutzutage spielt der Verein mal ´ne Saison in der ersten und mal in der zweiten Liga, aber immer im Borussiapark auf der grünen Wiese am äußersten Stadtrand. Um vom Bahnhof aus dahinzugelangen, erfordert es eine etwa fünfzehnminütige Fahrt mit dem Shuttlebus quer durch die „Metropole“. Und merke: Niemals kurz vor Anpfiff mit dem letzten „Lumpensammlerbus“ zum Stadion fahren, so wie es mir passiert ist. Am Steuer des letzten Busses sitzt nämlich auch der laut O-Ton einer Mitfahrerin „bescheuertste Busfahrer aller Zeiten“. Und ob des nicht vorhandenen fahrerischen und orientierungstechnischen Könnens des Mannes kann man der guten Frau nur zustimmen.
Dank Sponsorenkarte dann kostenfrei und leicht unpünktlich im Stadion, konnte man in der recht angenehmen und ziemlich lautstarken Athmo des eng aber billig gebauten Borussiaparks zunächst eine halbe Stunde Bundesliga-Stümperfußball par excellence begutachten.
Dann aber kam dieser Baumjohann an den Ball und jagt das Leder aus 20 Metern in den Winkel, was die meisten Stadionbesucher und auch mich sehr froh machte. Kurz vor dem Halbzeitpfiff erhöhte dann der überragende Spieler auf dem Platz, Marko Marin, mit einem feinen Solo durch mehrere Gegenspieler auf 2:0. In der zweiten Hälfte schwanden bei Gladbach Kraft und Courage, relativ mühelos und weiterhin ohne große spielerische Klasse kam Hannover zum Ausgleich. Obwohl sich das Gladbacher Publikum und auch die Mannschaft auf dem Platz schon mit einem erneut sieglosen Spiel abgefunden zu haben schien, gelang dem eingewechselten Neuville kurz vor Schluss der Siegtreffer gegen schwache Hannoveraner. Fazit: Der Fußball ist bekanntlich ein schnelllebiges Geschäft und was heute noch grottenschlecht gurkte könnte mit ein bisschen Selbstvertrauen in ein paar Wochen vielleicht noch für die eine oder andere Überraschung sorgen. Das gilt ganz sicherlich für beide Mannschaften. Ansonsten: Wer jemals in diese Gegend gelangt, lernt verstehen, warum Bertie Vogts nur so sein kann wie Bertie Vogts eben ist! Weiters war das ganze wie üblich ein angenehmer Fußballnachmittag an diesem fast schon frühlingshaften Samstag.
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2 Kommentare:
Bist Du doch hingegangen. Keine Kopfschmerzen gehabt? Sascha hatte glücklicherweise Aspirin.
Sehr starker Bericht. Die Serie "Sport im Westen" wertet diese Seite unheimlich auf. Im Frühjahr muss ich mir das auch mal ein WE geben.
Ne, hatte richtig gute Laune am Samstag. Kopfschmerzen ja, aber hielt sich in Grenzen. War ein entspannter Samstag, bin ganz froh nichtr mit in Kölle gewesen zu sein. Bis Donnerstag!
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