Ein Fußballwochenende in Barcelona und Valencia – Gastbericht von André
Teil 2: Der schönste Fußball der Welt!? - Barca-Atletico Madrid 3:0
Am nächsten Morgen ging es dann wieder zum Bahnhof und nach etwas chaotischem check-in in den Zug und retour nach Barcelona. Dort war wiederum alles hektisch, bis wir endlich eine halbe Stunde vor Anpfiff unsere bereits vorgebuchten Karten für Barca vs. Atletico Madrid in der Hand hielten. Da sich im Camp Nou das Anheizen und Entertainen der Massen vor dem Spiel ausschließlich auf das Abspielen der (allerdings dann inbrünstig mitgesungenen) Vereinshymne von Barca direkt vor dem Einlaufen der Mannschaften sowie die Ansage der Spielernachnamen beschränkt, war das allemal genug Zeit, um sich noch in Ruhe das Stadion anzuschauen.
Das Camp Nou wirkt, obwohl mit knapp 99.000 Plätzen Europas größtes Stadion, von außen nicht besonders beeindruckend. Liegt wohl daran, dass das Spielfeld extrem abgesenkt ist (der gesamte untere und Teile des zweiten Ranges liegen unter der Umgebungshöhe) und die Tribünenhöhe insgesamt niedriger wirkt als beispielsweise am Vortag in Valencia. Von innen ist es allerdings ob seiner schieren Größe schon beeindruckend und dennoch recht kompakt, viel weniger „Schüssel“ als das Berliner Olympiastadion oder das neue Wembley. Ebenso wie in Valencia genießt man ob des fehlenden Daches von ganz oben einen feinen Blick über Teile der Stadt und einige umgebende Hügel. Wiederum Schade, dass auch dieses Stadion demnächst arenentechnisch aufgestylt wird, mit Dach und verbessertem Klo- und Catering-Angebot und so.
Vor 90.000 Zuschauern, davon gefühlte 15000 Touristen aus allen Teilen Europas, begann das Spiel, mit beiden Mannschaften zunächst auf Augenhöhe. Barca spielte in der „Abteilung Attacke“ Traumhafterweise mit Henry, Ronaldinho und Messi, dahinter als Spielgestalter Deco. Was für Namen, was für Spieler!!! Es endete 3:0, aber bei dieser Show erscheint das pure Ergebnis am Ende nicht mehr wichtig. Es war kein überragendes Spiel, Atletico hatte an diesem Nachmittag keinen guten Torwart und nach dem 0:1 keine wirklich Gegenwehr mehr parat, aber auch Barca machte bei 25 Grad im Schatten etliche Kunstpausen.
Dennoch war das Spiel Unterhaltung pur, in jeder Halbzeit gab es etwa 15 Schüsse aufs Tor. Wenn man kritisch sein will, liegt das sicher nicht nur am vorhandenen Können der Angreifer, sondern auch am eben nicht vorhandenen der Verteidiger. Aber man muss nicht kritisch sein, beide Mannschaften spielten offensiv nach vorn, und das sah einfach schön aus.
Der Fußball von Barca´s Stars war stellenweise so genial, dass es einem förmlich aus dem Sitz riss und ich mich mit meinem Bruder einige Male ungläubig angeschaut habe, dass solche Aktionen von echten Spielern wirklich möglich sind. So wie das 2:0 von Barca nach 20 Minuten: schöner Pass aus dem Mittelfeld von Deco auf Henry links außen, der verzögert, vernascht seinen Gegner, passt in den Strafraum auf den heranstürmenden Messi, der den Ball sofort zu Ronaldinho rüberlegt um ihn von diesem (im Strafraum!) postwendend per Doppelpass zurückzubekommen. Messi dribbelt noch zwei Schritte, schiebt den Ball am Torwart vorbei von halblinks ins lange Eck und holt sich die Huldigung des Publikums ab. Wunderschön, eine glatte Eins für den Unterhaltungswert des Spiels.
Obwohl Deco an diesem Nachmittag mit seinen klugen Pässen sicher der beste Spieler auf dem Platz war, muss ich an dieser Stelle (auch angesichts der bloginternen Wahl des Weltfußballers 2007) ein Plädoyer für den kleinen Argentinier Lionel Messi halten: Ein wirklich feinfüßiger und wieselflinker Dribbler, durchsetzungsstark, immer ein Auge für den Mitspieler, den Doppelpass, arbeitet nach hinten, ist vorn ein sicherer Vollstrecker. (Nicht nur) Für mich mit seinen 20 Jahren auf dem Weg, ein neuer Maradona zu werden, vielleicht bereits jetzt der beste Spieler wo gibt überhaupt.
Der Besuch des Spiels war aus fußballästhetischer Sicht ein wahrer Leckerbissen. Glücklicher Barca, mit solchen Fußball-Künstlern, gesund und in guter Form, für mich der vielleicht schönste Fußball der Welt! Ob des heißen Wetters und hohen Unterhaltungswertes kann die Stimmung im Stadion als positiv-entspannt und überwiegend träge gekennzeichnet werden. Nach dem Spiel sind wir noch mal an den nächtlichen Strand zum obligatorischen Baden, danach zum Hostel mit diesmal 16 Betten im Raum. Am Montagmorgen ging es dann bei herrlich blauem Himmel – wie sollte es anders sein – an den Strand zum Baden und langsam alles sacken lassen. Für einen Montag zur Mittagszeit im Oktober war da richtig viel los, pausenlos wurden Bier, Wasser, Haschisch und Massagen von Thai-Mädels angeboten und von uns dankend abgelehnt. Am späten Abend trafen wir dann gut gelaunt, von der Oktobersonne gebräunt und ziemlich müde wieder in Düsseldorf ein.
Sonntag, 11. November 2007
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen