Ein Fußballwochenende in Barcelona und Valencia – Gastbericht von André
Teil 1: Eine laue Fußballnacht in Valencia: Valencia CF-Espanyol Barcelona 1:2
Gemeinsam mit meinem Bruder wollte ich ein verlängertes Wochenende Anfang Oktober nutzen, um noch etwas südliche Sonne zu tanken und ein bisschen spanische Fußballluft zu schnuppern. Nach der Ankunft in Barcelona am Freitagabend haben wir uns gleich noch zu mitternächtlicher Stunde bei 21 Grad Außen- und Wassertemperatur am Stadtstrand von Barcelona in die Fluten gestürzt. Bis genug Bier getrunken und der Weg zurück zum Hostel in unser kuscheliges 8-Betten-Zimmer gefunden war, war es dann auch schon halb 4 morgens. Entsprechend verkatert und müde nahmen wir am nächsten Morgen die 350km Zugfahrt in Richtung Süden nach Valencia in Angriff. Die Stadt Valencia selbst erschien uns dann irgendwie so wie die kleinere Schwester des hektischen Barcelona. Alles etwas ruhiger, gelassener aber dabei nicht minder schön. Viel Zeit die Stadt zu erkunden hatten wir nicht, aber es reichte für eine Besichtigung der Innenstadt, eine Paella valenciana und einen Besuch am städtischen Strand inklusive dem Bad im kühlen Nass. Gegen 20 Uhr, 2 Stunden vor Anpfiff, sind wir dann zum Stadion. Das Mestalla liegt in recht zentraler städtischer Lage, umgeben von Wohn- und Industriegebäuden. Die Höhe der Tribünen wirkt von außen absolut eindrucksvoll, was wohl vor allem daran liegt, dass das Spielfeld gegenüber der Umgebungshöhe nicht abgesenkt ist. Ohne Probleme bekamen wir am Ticketschalter für 22 Euro Karten für den 3. Rang der Gegentribüne. Insgesamt waren dann ca. 38.000 Zuschauer im 53.000 fassenden Stadion, das auf mich aber deutlich größer wirkte. Von ziemlich weit oben verfolgten wir nun zu später Stunde kurzbehost und doch nicht frierend das Spiel von Valencia CF gegen Espanyol Barcelona. Wenn es stellenweise mal etwas langweiliger auf dem Spielfeld wurde, konnte man den Blick über die absolut steilen Ränge, das Dach der gegenüber liegenden Haupttribüne (die nur etwa halb so hoch wie die anderen Tribünen ist) und, dank der ansonsten fehlenden Bedachung auch frei über die das Stadion umgebenden Gebäude schweifen lassen.
Stadiontechnisch ist das Mestalla ein wirkliches Kleinod. Schade, dass Valencia CF wohl in spätestens 2 Jahren in eine neue, Allianz-arena-like gestylte Arena umzieht und das Mestalla dann abgerissen wird, um einem Wohnkomplex Platz zu machen.
Das Spiel selbst war trotz der Konstellation Tabellen-Dritter gegen -Sechster der Primera División in meinen Augen kein wirkliches Spitzenbild, fand aber mit Espanyol einen nicht unverdienten Sieger. Valencia begann stark, ging durch einen schönen Kopfball von Baraja bereits nach 5 Minuten in Führung und hatte auch danach weitere gute Chancen. Mit der verletzungsbedingten Auswechslung ihres Sturmführers Marco Villa nach 20 Minuten brach der Spielfluss bei Valencia allerdings völlig zusammen, was sich leider während des gesamten Spiels nicht mehr ändern sollte. Die Schwächen im Spielaufbau und insbesondere in der Verteidigung der Valencianer nutzte Espanyol durch eine Mischung aus klug vorgetragenen Angriffen und spontanen Einzelaktionen eiskalt aus. Dem 1:1 kurz vor der Halbzeitpause ließen sie 8 Minuten vor Schluss den 1:2-Siegtreffer folgen.
Etwas überraschend stellt sich Espanyol als eine Mannschaft dar, die einen richtig feinen Fußball spielen und wohl auch davon profitieren, als Barceloneser Team im Schatten des großen FC Barcelona von den anderen Mannschaften der Liga unterschätzt zu werden. Valencia dagegen enttäuschte trotz zahlreicher bekannter Namen im Team vor allem, weil ohne Starstürmer Villa kein wirkliches Spielkonzept mehr zu erkennen war.
Was den Fansupport betraf, hatte ich nicht viel erwartet und wurde auch nicht positiv überrascht. Man harrt, wie in Spanien wohl üblich, weitgehend (und für Südeuropäer doch überraschend) emotionslos dem Spielgeschehen. Stetige Unterstützung gab es nur von Seiten zweier kleiner Häuflein von vielleicht 200 Valencia-Ultras und etwa 38 mitgereisten Gästefans, die unbehelligt in einem Eckchen im 3. Rang zwischen den anderen Zuschauern standen. Insgesamt war es für dieses große Stadion recht ruhig, was mich aber in dieser lauen Samstagnacht auch nicht groß gestört hat.
Nach dem Spiel ging es dann, gestärkt durch einen sogar ganz passablen Döner, fast gleich in die Heia. Diesmal hatte unsere Absteige 12 Betten im Zimmer und einen Ventilator an der Decke, der alle anderen Geräusche im Raum mit seinem monotonen Rotationsgeräusch übertönte. Erinnerte vor allem meinen Bruder, der kein Bett an der Wand erwischte, stark an ein Lazarett. Wie es dann in Barcelona weiterging, folgt im 2 Teil des Berichts.
Samstag, 10. November 2007
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1 Kommentar:
Schöner Bericht. Freut mich persönlich natürlich sehr, dass Dir Valencia gefallen hat. Ich muss auch mal wieder ins Mestalla, zumal ich erst einmal dort war (als die Möglichkeit bestand zu einem UEFA-Cup Spiel gegen Tel Aviv zu gehen, war ich ja lieber im Ballett; was aber auch gar nicht übel war). Ich freue mich schon auf den 2. Teil.
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