Donnerstag, 15. November 2007

Uli Hoeneß und die Rolle der Fans

Der letzte Montag brachte einige interessante Statements hervor. Es war die Jahreshauptversammlung beim FC Bayern München angesagt. Wie fast jedes Jahr konnten wieder neue Rekordzahlen bekannt gegeben werden und das bayrische Selbstbewusstsein wurde, eventuell auch durch die ganz leicht unzufriedene sportliche Momentaufnahme, umso energischer gepflegt. Doch all das soll hier weniger interessieren. Ich möchte vielmehr auf eine kleine Wutrede von Uli Hoeneß eingehen, die den derzeitigen Konflikt im Profifußball recht gut wiedergibt. Wie kam es dazu?

Einige Fans bzw. Mitglieder monierten, dass die Stimmung in der neuen Allianzarena nicht mehr so gut sei, wie im alten Olympiastadion. Ob dies so ist, kann ich hier wirklich nicht beurteilen denn ich habe die Bayern weder dort noch da gesehen (eine Frage des Prinzips, als auch des Wohnorts). Ob die Stimmung aber in einem Multifunktionsstadion wirklich besser ist, als in einem reinen Fußballstadion kann ich nicht wirklich glauben. Aber darum geht es wohl nicht.

Ich glaube der Einspruch der Fans richtete sich eher gegen die vielen Business Seats des neuen Stadions, oder allgemeiner: gegen die zunehmende Kommerzialisierung ihres Sports, ihres heiligen Samstagnachmittagsrituals (das manchmal auch Freitag oder Sonntag stattfindet); dem Besuch im Stadion. Das Hoeneß auf diesen immer mal wieder gemachten Statement so emotional reagierte finde ich gar nicht mal so bedenklich, wie es teilweise danach dargestellt wurde. Beim Fußball wird es halt auch mal laut. Aber genau hier kommen wir doch zur entscheidenden Frage, wo ist Fußball noch Fußball, und wo verliert er sich im reinen Geschäft.

Der FC Bayern ist der, mit weitem Abstand, geschäftlich erfolgreichste Verein des Landes, und man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass sich das so schnell nicht ändern wird. Was viele Fans heute aber bedauern, so glaube ich zumindest feststellen zu können, ist die Veränderung des Spiels, oder genauer der Beobachtung und Zelebrierung des Spiels. Die zunehmende Diversifizierung des Zuschaueranteils (also die vielen neuen Kategorien von Zuschauerplätzen mit ihren großen finanziellen Unterschieden in den neuen Arenen) bringen einen scheinbaren Verlierer mit sich, den alten Stehplatzfan. In den 80er Jahren trug er Kutten, einige seiner Freunde kloppten sich als Hooligans und später wurde man zum Ultra. Sie sind die Leidtragenden der Umgestaltung vom „ganz normalen Verein“ (den es natürlich auch nicht in den 80ern gab) zum mittelständischen Unternehmen. Mit ihrer schwindenden finanziellen Bedeutung schwindet auch ihr Einfluss. Es ist allerdings dabei auch zu fragen, inwiefern dieser Verlust von einige Gruppen nur als Verlust wahrgenommen wird, oder ob er eigentlich gar nicht so existiert(e). Die Frage ist, ob man in den 80er Jahren mehr Einfluss auf den Verein hatte als heute. Klar waren die Zuschauer finanziell viel bedeutender, aber wo gab es denn mal einen Fanboykott der einen Verein in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hätte. Zumal hier die Frage erlaubt ist, ob es denn wirklich ein Fan über das Herz bringen würde, dadurch seinem Team zu schaden.

Uli Hoeneß ist in den letzten Tagen wieder zurückgerudert. Zu katastrophal war die Imagewirkung seiner „Wutrede“. Denn am Ende werden auch die Bayern nicht mehr existieren, wenn keiner mehr zuschaut. Aus alledem kommen wir zu folgenden Problembereich: es stellt sich heute eine - scheinbar früher so nicht existierende - Frage; was bedeuten Fans für einen Verein? Dabei ist noch nicht mal wirklich klar wer als Fan bezeichnet werden kann und wer nicht. Die Entwicklungen und Umgestaltungen die sich in den letzten Jahren zuerst im Fußball, aber auch in anderen Sportarten getan haben sind äußerst rasant. Letztendlich wird man sich auch fragen müssen, wie der Fußball oder besser der Sport insgesamt in 20 Jahren ausschaut. Gibt es dann nur noch Extrempole; stille Business-Seat-Zuschauer bei den Champions League (oder Europaliga-) Klubs und prügelnde Hools auf regionalem Niveau?

All das sind Fragen, die uns in nächster Zeit weiter beschäftigen werden. Es wird dabei immer mal wieder Links auf der rechten Seite geben. Natürlich auch sehr willkommen sind Eure Anregungen oder Kommentare zum Thema.

3 Kommentare:

schlikkes hat gesagt…

Ein gefundenes Fressen für den diplomierten Fan-Kenner :o) Teile Deine Ansichten, wobei ich sagen muss, ich war in der Allianz-Arena und die Stimmung war prächtig, allerdings bei 1860 gegen Dynamo. Das haben ja auch einige "Fans" als Argument angebracht. Dann ist es aber an Denen, dies zu ändern, oder?

André hat gesagt…

Ich bin nicht der Meinung, dass die zunehmende Anzahl an VIP-Logen für schlechte Stimmung im Stadion verantwortlich sind. Arenen und Sitzplätze mit Kino-Flair hingegen schon, denn diese "individualisieren" durch den vorhandenen Raum die Zuschauer. Auf engem "Stehplatzraum" bildet sich meiner Meinung nach leichter ein kollektives Gefühl, indem der einzelne sich eher mitreissen lässt und so die Emotionen hochkochen und "Stimmung" entsteht.
Konkret bei den Bayern sehe ich das Problem allerdings darin, dass der Anteil an "Fußball-Touristen", also ganz normalen Leuten wie uns, die vielleicht (im Gegensatz zu uns) mit den Bayern sympathisieren oder einfach nur mal guten deutschen Fußball sehen wollen, deutlich höher ist als bei anderen Vereinen. Solche Zuschauer aber verhalten sich doch eher neutral (bzw. rational), weil sie sich das Event eben nur angucken, aber nicht selbst Teil davon sein wollen. Kino eben. Gleichzeitig werden die "echten Fans" zunehmend durch die Vereine und den DFB ihrer stimmungsmachenden Mittel beraubt. Zaunsfahnen, Trommeln, Doppelhalter, Fahnen, Pyro, all solche Sachen sind doch mittlerweise weitestgehend aus den Stadien verbannt. Für mich unverständlich, denn die Probleme mit Fan-Ausschreitungen finden doch europaweit zum größten Teil außerhalb der Stadien, überwiegend in der Auseinandersetzung mit der Staatsmacht statt.
Eine Auswirkung auf die Popularität des Fußballs sehe ich in der Stimmung-Entwicklung in den Stadien allerdings nicht, die Zuschauer werden trotzdem kommen. Für die jungen, nachwachsenden "Playstation- und Fernsehfußball-Generation"-Zuschauer sind moderne Arena doch ganz normal. Fußball live und doch so Fersehähnlich wie möglich. Sie kennen es ja nicht anders.
Aber was solls, Stimmung und hin oder her, selber spielen fetzt immer noch am meisten, oder?

Tommer hat gesagt…

Hey Jungs. Danke für Eure Beiträge. Finde ich alles sehr richtig. Über die Zukunft des Fussballs sollten wir auch mal einen eigenen Post machen, da sehe ich soviele unterschiedliche Entwicklungen, so bin ich mir nicht sicher ob der Boom ewig anhält. Eishockey und Handball verbuchen schon einen teilweise recht kräftigen Zuschauerschwund.